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Die Langzeitarchivierung digitaler Daten ist schon längst keine Frage mehr, über die man die Freiheit hätte, zu entscheiden. Aktuelle Produktionen werden fast nur noch digital produziert und die Filme finden sich früher oder später in den Archiven - verbunden mit der Hoffnung ihnen dort eine lange Verfügbarkeit und Sicherheit zu gewähren.
Die Archive stehen damit am Ende einer langen Produktionskette, deren technische Komplexität sich nicht mehr in einem simplen Substrat, dem Film, niederschlägt, sondern dessen Technologie dem digitalen Material eingeschrieben ist. Mit dem Technologiewechsel sind auch zahlreiche kulturelle Paradigmen gefallen: Von einem digitalen Original etwa mag niemand mehr sprechen. Und die unbegrenzte Kopierkarkeit führt bis heute zu zahlreichen Verwerfungen der traditionellen Produktions-, Verwertungs- und Archivketten.
Diese neue Komplexität - wo notwendig - zu reduzieren und - wo möglich - beizubehalten, ist die abstrakte Aufgabe, der sich Archive gegenüberstehen. Das Wissen hierzu ist ansatzweise in den Postproduktionshäusern und nur vereinzelt in einigen großen Archiven vorhanden. Zu den neuen Paradigmen zählt auch, dass nicht so sehr die technologischen Möglichkeiten als vielmehr die gerade aktuellen Kosten zu einer dominierenden Konstante werden: Alles ist möglich, aber wenig ist jetzt bezahlbar. Gerade die Kosten für eine sichere digitiale Langzeitarchivierung sind noch sehr hoch. Letzteres der Grund, weshalb der Academy’s Science and Technology Council hier ein Digital Dilema erkennt, das eigentlich nur durch die Rückkehr zum analogen Material gelöst werden kann. Doch diese Lösung, im Jahre 2007 publiziert, erscheint schon heute merkwürdig antiquiert und wirft zahlreiche neue Fragen auf: Von der Finanzierbarkeit bis zur notwendigen Expertise.
Der Stein der Weisen - er ist noch nicht gefunden. Vieles spricht dafür, dass der technologische Paradigmenwechsel auch die Archivstruktur nicht unangetastet läßt. Wir werden in Zukunft eine stärker arbeitsteilige Organisation archivarischer Aufgaben erleben, Rechenzentren werden elementare Aufgaben übernehmen und wir werden eine Archivinformatik benötigen, welche die Expertise und Kommunikation sicher stellt.
All dies ist aber keine unmittelbare Lösung, schon gar nicht für kleinere Institutionen. Diese - und mit ihnen zahlreiche audiovisuelle Produktionen - drohen durch das Raster zu fallen. Es droht, auch dies ist schon vielfach beschrieben worden, eine Amnesie für die Übergangszeit des digitalen Technologiewechsel. Deshalb sollen hier zumindest Hinweise auf laufende Forschungen, Initiativen und Communities, letztlich auf Strategien für die digitale Überwinterung gegeben werden, um zu viele, neue LOST FILMS zu vermeiden.
Jürgen Keiper

