Lost films: Ausgangspunkte

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Lost films

Den Schwerpunkt des Projektes bilden verschollene Filme, welche durch Archivmaterialien dokumentiert werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei deutsche Filme, der Fokus soll aber aber sukzessive erweitert werden.

Besonders der Stummfilm ist von diesem "Verschwinden" betroffen. Erst in den letzten Jahren ist eine konkrete Archäologie des frühen Kinos entstanden. Man schätzt, dass lediglich 10 – 15 % aller Stummfilme heute noch verfügbar sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von der Selbstzerstörung des empfindlichen Nitromaterials, das oft komplette Filmarchive mit in den Flammen aufgehen ließ, bis hin zur bewussten Vernichtung „wertloser“ Filme, um Platz im Archiv zu gewinnen. Auch das Recycling der Filme zur Rückgewinnung bestimmter Inhaltsstoffe (wie etwa des Silbers) trug seinen Teil zum Verschwinden bei.

„Lost films“ bedeutet aber nicht zwingend zerstört. Einerseits sind zahlreiche Kopien oder Fragmente noch in Archiven, verstreut über die ganze Welt, vorhanden. Oft können sie nicht identifiziert werden, oft sind die Archive auch nur mangelhaft erschlossen oder es fehlt der entscheidende Anstoß zur Auseinandersetzung mit dem Material. Andererseits sind zahlreiche Filme auch noch nicht in Archiven gesichert, sondern lagern in privaten Wohnungen oder bei Firmen. In beiden Fällen kann dieses Projekt einen Anstoß geben, diese Filme zu identifizieren oder vor weiterer Zerstörung zu bewahren.

Es finden sich aber nicht nur die „orphan works“, verwaiste Werke kultureller Bedeutung wie Dokumentationen und das Groschenkino unter den vermissten Filmen, sondern auch zahlreiche Werke bekannter Künstler, welche diesen Filmen schnell die Aura des Geheimnisvollen und Unentdeckten verleihen. Die Aufgabe, welche die „Lost films“ den Archiven überlassen haben, ist zuerst einmal, das Nicht-Wissen nicht geringer einzuschätzen als das Wissen.

Beispiele
Der Bergadler, eine englisch-deutsche Koproduktion von Alfred Hitchcock aus dem Jahre 1926 gilt ebenso als vermisst wie zahlreiche Filme aus dem Frühwerk von Michael Powell: "Two crowded hours" [1931], "My Friend the King" [1931], "The Rasp" [1931], "The Star Reporter" [1931], "C.O.D." [1932], "His Lordship" [1932], "Born Lucky" [1932] "The Girl in the Crowd" [1934], "The Price of a Song" [1935], "Some Day" [1935], "The Brown Wallet" [1936], "The Man Behind the Mask" [1936].
All diese Beispiele sind einer Publikation des British Film Institute (BFI) entnommen, in welcher Allen Eyles und David Meeker die Geschichte zahlreicher Filme dokumentierten: Missing Believed Lost. Für den deutschen Raum existiert keine vergleichbare Dokumentation, wohl aber das Wissen um bestimmte Leerstellen: Von den frühen Avantgardisten Walther Ruttmann und Oskar Fischinger werden wichtige Werke aus ihrem Oeuvre ebenso vermisst wie von wichtigen Spiel- und Dokumentarfilmen. Auch wenn sicherlich die meisten vermissten Filme aus der Stummfilmzeit stammen, sind auch im Bereich des Tonfilms zahlreiche Werke verschollen oder nur fragmentarisch vorhanden. Genannt seien hier nur "Der Sieger" (D 1931/32, Regie: Hans Hinrich, Paul Martin) mit Hans Albers oder die Interpretation von Preußens Geschichte in "Yorck" (D 1931, Regie: Gustav Ucicky).
Auch der Nachkriegsfilm ist hiervon betroffen. Spricht man mit Programmkuratoren von Kinos, so sind wider Erwarten nicht nur die meisten Stummfilme als vermisst zu betrachten, sondern auch zahlreiche Filme des Nachkriegskinos. Lediglich die Filme der Zeit von 1933 bis 1945 gelten als relativ gut überliefert.
Zu den vermissten Nachkriegsfilmen zählen etwa Helmut Käutners "Käpt‘n Bay-Bay" (1953) oder "Türme des Schweigens" (D 1953, Regie: Hans Bertram). Und auch für den Bereich nach 1945 gilt, dass der innovative und experimentelle Film besonders betroffen ist, da zahlreiche dieser Filme nur privat oder überhaupt nicht archiviert wurden. Noch schwerer wiegt, dass das Wissen hierüber kontinuierlich schwindet und mithin die Chance, die Filme zu sichern. Diesen Filmen wird genauso das Augenmerk dieses Projektes gelten.
Trotzdem die Chancen stehen nicht schlecht, dass im Zuge der Recherchen in den Archiven mancher Film wieder "gefunden" wird.

Projektpartner:

Bundesrarchiv-Filmarchiv Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung CNC - Centre national de la cinématographie Filmarchiv Austria Národní Filmový Archiv Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen

gefördert durch die
Kulturstiftung des Bundes

 

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